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Paris - Mannheim - Bericht von Roland Matzig PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Beate Ambacher   

Mannheim liegt im Osten von Paris

Seit Jahren starten zwischen Weihnachten und Silvester weltweit zahlreiche Radler um innerhalb dieser Zeit mindestens 500 km im Sattel zu verbringen. Das Ganze nennt sich Rapha Festive 500. Auch einige MTG-Mannheim-Triathleten haben sich in den letzten Jahren dieser Aufgabe erfolgreich gestellt. 500 km in 7 Tagen – naja! „Kann man machen“ wird jetzt der ein- oder andere kalkulieren. 500 km am Ende des Jahres, ist zumindest in unseren Breiten schnell einmal eine Frage des Wetters, oder der Kleidung, oder der Einstellung...

Das ist der 'Übeltäter' Wink:

2016_Paris_MA_Roland6

Mir hat es jedenfalls die letzten drei Jahre gut gefallen, anstatt 500 Mal „Dinner for One“ auf dem Sofa alternativ 500 km Straße unter den Rädern zu sehen...

Deshalb stand auch für 2016 fest diese 500 km zur Abrundung der Jahresradkilometerbilanz addieren zu wollen. Allerdings wollte ich nicht, wie in den Jahren zuvor, immer im Kreis fahren und morgens wieder dort beginnen wo der Vortag endete. Dieses Mal wollte ich „Strecke machen“...

Von Paris nach Mannheim sind es laut Google Maps im Radmodus ca. 540 km Entfernung. Der ICE braucht schlappe 3h. Also Rad geschultert, Gare de l`Est angesteuert und ab Richtung Osten. Mit etwas Biss sollte das in 3 Tagen erledigt sein.

So der (zugegebenermaßen etwas grobe und naive) Plan.

Nach etwas Feintuning und dem Wegfall tapferer Weggefährten fuhren wir (mein ältester Sohn, eine Freundin und ich) dann gegen 6:00 Uhr mit dem Auto los. Ziel Paris!

Das Rad lag im Kofferraum. Das Gepäck war mit sub 5 kg für eine Wintertour eher minimalistisch ausgefallen. Die Route war mit „immer Richtung Osten“ definiert. Und die Tagesetappen sollten vom eingeschränkten Tageslicht begrenzt sein.

Um 11:30 Uhr ging es dann in den Sattel. Da es um 16:30 dunkel wurde, hatte ich noch grob 5 h Fahrzeit. Nach erster Einschätzung sollte das für ca. 140 km gemütlich ausreichen. Damit kam als erstes Etappenziel Vertus ins Visier. Der Plan war: da fahr ich hin und nehme das erste Hotel am Platz.

Ein Plan wird durch die Wirklichkeit zur Erfahrung. Wenn du bei Google Maps das Fahrradsymbol drückst und dir die Strecke von Paris nach Mannheim geben lässt dann sieht das recht einfach aus. In der Praxis fährst du zunächst 2-3 h aus dem Speckgürtel von Paris heraus um dann entlang malerischer Flüsschen auf nicht asphaltierten Wegen durch romantische Landschaften zu „holpern“. Gut das ich einige Cross-Erfahrung habe.

Nach etwa 2 h harter Materialprobe wurde dann aus den Wanderwegen der ersehnte Weg nach Osten. Kilometerlange schnurgerade Asphaltbänder durchziehen an Langeweile nicht zu übertreffende Ackerbaulandschaften.

Der Wind blies mit ca. 20 km/h aus Osten und ich mühte mich mit etwa derselben Geschwindigkeit dagegen. Spätestens hier wird klar: muss man nicht machen, aber wenn man will kann man ;-)

Trotz aller Widrigkeiten erreichte ich den Zielort der ersten Etappe pünktlich mit Einbruch der Dunkelheit. Das (einzige) Hotel vor Ort war schnell entdeckt. Meine eingeschränkten Französischkenntnisse reichten aus um das Schild „Fermè“ als meinen Bedürfnissen als nicht zuträglich zu definieren. So viel zu guter Planung.  

Nach 6 h im Sattel bei deutlichen Minusgraden möchte man eine schützende Kneipe nicht mehr gerne verlassen. Auch wenn der Grand Creme sündhaft teuer ist. Aber die prognostizierten 20-25 km zum nächsten Hotel wollte ich dann doch nicht mehr im Dunkeln rollen. Also Taxi her und ab ins warme Hotelzimmer. Ein 4-Sterne-Restaurant-Essen später und die Vorfreude auf den nächsten Tag war schlagartig wieder da.

Um das Ganz in insgesamt drei Tagen zu fahren hätte ich ab jetzt 200 km/Tag schaffen müssen. Angesichts der Straßenverhältnisse, meines bescheidenen Leistungsvermögens, der insgesamt 2.200 hm, dem konstanten Wind aus Osten, den 8-h-Tageslicht und der tief unter dem Gefrierpunkt liegenden Temperaturen eine unrealistische Version.

Also war das nächste Tagesziel Verdun. Genau mit Dunkelwerden stand ich dort nach 7 Stunden Fahrt im Windfang eines Supermarktes und schüttete mir eine Büchse Cola in den Mund. So ein Tag ohne Trinken (alles gefroren) ist schon etwas „trocken“.

Ein B+B Hotel als Herberge für Bike and Rider und ein fetter Steakhouse-Teller bilden dann eine gute Grundlage für den kommenden Tag. Nächstes Etappenziel ein Bett und die Arme meiner lieben Frau im Haus meiner Schwiegereltern in Saarbrücken.

Auf jeder Reise kommen diese Momente der Suche nach Alternativen. Meine endeten darin, dass ich mich in Metz abholen und nach Saarbrücken chauffieren lies. Man muss zu seinen Schwächen stehen! Dadurch ersparte ich mir ca. 60 km Fahrstrecke und gewann einen herrlichen Nachmittag im Kreis der Familie.
 

Hier eine kleine Collage seiner Eindrücke:

2016_Paris_MA_Roland11



Der letzte Tag führte also von Saarbrücken über die Pfälzer Bergwelt. Zunächst erst einmal 3 Stunden bis Landstuhl, wo gegen 12:00 Uhr Daniela und Mike aus der S-Bahn stiegen um mich auf dem letzten Stück „nach Osten“ zu begleiten. Finger- und Zehenspitzen waren bei stattlichen -7 Grad nicht immer leicht warm zu halten, aber das Fahren mit Freunden war ein willkommener Ausgleich zu den vorherigen Mentalprüfungen.

Kaiserslautern lag bald hinter uns und der Coffee break in Bad Dürkheim vor uns. Dann noch schnell durch die Hälfte der rheinischen Tiefebene und pünktlich zum Ende des Tageslichtes stand ich mit 480 km auf der Uhr vor der Mannheimer Behausung.

Am nächsten Tag noch ein kleines MTB-Ründchen durch den vorderen Pfälzer Wald und die festiven 500 k waren übervoll.

Fazit: 500 km Radeln kann sehr interessant sein ;-)   

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 24. Januar 2017 um 17:09 Uhr